Königreich Preußen und Kaiserreich

Siebengebirge Geschichte, Kaiserreich, Die Zeit Wilhelms II.
Neues Palais, Park Sanssouci

Was hatten denn die Preußen am Rhein verloren? Nun, das hat sich ihr König Friedrich Wilhelm III. vielleicht auch gefragt, als ihm der Wiener Kongress 1814/1815 nicht wie erhofft Sachsen, sondern das Rheinland und Westfalen zusprach. „Jesses, Maria, Josef! Do hirohde mer in en ärm Famillich!“ – so kommentierte der Kölner Bankier Schaaffhausen die Entscheidung des Wiener Kongresses, das Rheinland an den König von Preußen zu geben. Und doch bewilligte die „ärm Famillich“ später 10.000 Taler für die Erhaltung des Drachenfelses.

Als Bürger des Staates Preußen erlebten die Rheinländer die Gründung des Kaiserreiches unter Wilhelm I. und seinem „Eisernen Kanzler“ Otto von Bismarck, die Zeit Wilhelms II. und am Ende die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution.

Rheinprovinz
Der Vormärz. Es ist eine Zeit großer kultureller Blüte, aber auch eine Zeit der politischen Unterdrückung. Der preußische Staat erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die einsetzende Industrialisierung, aber auch große sozialer Not. Trotz schwerster Arbeit sind viele Menschen nicht mehr in der Lage, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern. König Friedrich Wilhelm IV. im Potsdamer Park Sanssouci kümmert sich wenig.

Revolution 1848/49
Die große soziale Not und die Wut der Menschen gegen die Restaurationspolitik brechen sich in der Märzrevolution Bahn. Friedrich Wilhelm IV. bildet ein Kabinett mit den rheinischen Liberalen Ludolf Camphausen und David Hansemann – ein Bürgerlicher aus der Rheinprovinz leitet das Kabinett! In Bonn sind Professor Gottfried Kinkel und sein Student Carl Schurz Hoffnungsträger der Demokraten.

Zwischen Revolution und Reichsgründung.
Doch die Revolution scheitert, es folgen Jahre der Reaktion; Demokraten werden verfolgt und schikaniert. Auf Friedrich Wilhelm IV. folgen Wilhelm I. und sein Ministerpräsident, Otto von Bismarck. Preußen macht Österreich die Vorherrschaft in Deutschland zunehmend streitig. Es kommt zum Krieg. Schließlich schmiedet Bismarck das Deutsche Reich, mit Blut und Eisen.

Ära Bismarck
Belle Epoque nennt man diese ungefähr 30 Jahre um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa. Im Siebengebirge werden die Zahnradbahnen und Schloss Drachenburg gebaut. Endlich wird auch der Kölner Dom fertiggestellt. Das Kaiserpaar kommt zur feierlichen Einweihung, doch die Atmosphäre ist frostig – Bismarcks Kulturkampf hat tiefe Spuren hinterlassen.

Wilhelminische Zeit
„Herrlichen Zeiten“ will Kaiser Wilhelm II. seine Untertanen entgegenführen, und auch am Rhein lässt es sich gut leben. Im Siebengebirge gründet man Vereine zum Schutz der Natur gegen die Steinbrüche. Das aufstrebende Deutsche Kaiserreich verlangt seinen Platz unter den Weltmächten. Der Kriegsausbruch 1914 stürzt die Welt in eine Katastrophe.

Novemberrevolution
Am Ende sind Millionen Menschen tot, gefallen, verhungert oder verkrüppelt. Noch mehr Opfer fordert die Spanische Grippe. Die Novemberrevolution fegt das Kaiserreich und auch das Königreich Preußen hinweg. Die Niederlage kommt für die meisten Menschen überraschend, und nun muss Deutschland einen harten Waffenstillstand unterschreiben. Die Alliierten besetzen das Rheinland.

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