Rheinprovinz

Rheinprovinz, Siebengebirge, Rhein, Kölner Dom
Siebengebirge, Rhein, Kölner Dom

Damals im Siebengebirge

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Steinbruchschäden am Drachenfels bedrohlich, 1826 stürzte ein Teil der Außenmauern der Burgruine ein. Zugleich hatten Reparaturarbeiten am – damals noch unvollendeten – Kölner Dom begonnen. Da große Teile des Doms mit Trachyt vom Drachenfels gebaut worden waren, wollte die Dombauhütte ihn auch nun wieder haben.

Steinbrecher vs. Bürger und Behörden

Ein jahrelanger, erbitterter Rechtsstreit begann. Auf der einen Seite die Königswinterer Steinbrechergewerkschaft, auf der anderen viele Bürger und die preußischen Behörden. Die Zeitungen berichteten über die wiedereröffneten Steinbrüche am Drachenfels. 8.000 Taler müssten zusammen kommen, um der Steinhauergewerkschaft die Bergkuppe abzukaufen, doch das war nicht in Sicht. Dann bekam der Drachenfels Hilfe von prominenter Stelle, denn auch Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. schrieb sein Hofmarschall dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz, dass dem Kronprinzen und der ganzen königlichen Familie sehr viel am Erhalt der Ruine läge. Wenig später schrieb auch Prinz Friedrich von Preußen an den Oberpräsidenten.

10.000 Taler für den Drachenfels

Schließlich kam der Fall auf den Schreibtisch König Friedrich Wilhelms III. In seiner Kabinettsorder vom 23. Mai 1829 bestimmte er, dass der preußische Staat die Kuppe des Drachenfelses mit der Ruine erwerben soll, und bewilligte 10.000 Taler dafür. Sollten die Verhandlungen zu keiner Einigung führen, würde das Enteignungsverfahren nach geltendem Recht eingeleitet.

Als die Verhandlungen dann tatsächlich scheiterten, ordnete der König am 3. Dezember 1830 die Durchführung des Enteignungsverfahrens an. Am 15. März 1831 erklärte das Landgericht Köln die preußische Regierung zur Eigentümerin der Bergkuppe des Drachenfelses. 1836 kauft die preußische Regierung den oberen Teil des Drachenfelses mit der Ruine, er kam unter Denkmalschutz. Unsere Region in der Rheinprovinz und der Preußische Staat rettet den Drachenfels, das gehört zusammen, wie auch immer man zu den Preußen stehen mag.

„Kölner Wirren“

Die Rheinländer waren überwiegend Katholiken, während die meisten Preußen und ihr Königshaus Protestanten waren. Inzwischen war Köln auch Erzbistum. Unter den Katholiken und insbesondere den katholischen Würdenträgern in der Rheinprovinz gab es Liberale ebenso wie Anhänger der dogmatischen päpstlichen Linie.

Der latente Konflikt eskalierte, als in den 1830er Jahren auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen hatten. Erzbischof von Droste-Vischering wollte die päpstliche Linie durchsetzen und erteilte den liberalen Bonner Professoren Lehrverbot, obwohl sie Beamte des preußischen Staats waren! Außerdem verwarf er den bis dahin gültigen Kompromiss im Streit um die religiöse Erziehung von Kindern aus Mischehen. Die preußische Regierung forderte ihn zum Einlenken oder zum Rücktritt auf. Als er sich weigerte, wurde er am 20. November 1837 verhaftet und anderthalb Jahre auf der Festung Minden gefangen gehalten.

Der Staat verhaftete den Erzbischof – das war ein Politikum weit über das Erzbistum hinaus. Unmut gegen Preußen wurde laut, die Kurie in Rom protestiert scharf. Der bekannte Publizist Josef Görres verfasste eine Verteidigungsschrift für den Erzbischof, den „Athanasius“, die großen Anklang fand. Es war der Beginn des politischen Katholizismus in der Rheinprovinz. König Friedrich Wilhelm III. aber blieb hart. Erst unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. (1840-61) kam der Erzbischof frei, musste aber sein Amt abgeben.

Rheinkrise (1839-41)

Im Orient konnte Frankreich seine Interessen nicht gegen die Englands, Österreichs, Preußens und Russlands durchsetzen. Da hatte die alte anti-französische Koalition aus den Napoleonischen Kriegen Frankreich ein „diplomatisches Waterloo“ bereitet. Die französische Öffentlichkeit war empört.

Nun forderte die französische Regierung unter Adolphe Thiers das linke Rheinufer – bis an den Rhein, seine „natürliche Grenze“ sollte Frankreich reichen! Man befestigte Paris, drohte dem Deutschen Bund monatelang mit Krieg und rüstete militärisch und geistig auf. In diesen Jahren entstanden „Die Wacht am Rhein“ und „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“. Staatskanzler Metternich konnte den Konflikt diplomatisch beilegen, das Kabinett Thiers trat zurück und die neue französische Regierung war  kompromissbereit. Doch der Patriotismus war militant geworden, man sprach von „Erbfeindschaft“.

Kölner Dombaufest

Im September 1842 feierte man das Kölner Dombaufest: Endlich, nach fast 300 Jahren, sollte der Kölner Dom fertig gebaut werden! Auch der neue König Friedrich Wilhelm IV. war zugegen. Das Fest sollte allen im Land zeigen, dass Frieden war zwischen Staat und Kirche. Doch die Spannungen blieben.

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Gleich auf der Startseite des Portals Rheinische Geschichte des Landschaftsverbands Rheinland ist das Bild von der Rheinfahrt Friedrich Wilhelms III.
Siebengebirgsmuseum Königswinter, Natur- und Denkmalschutz

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