Vormärz

König von Gottes Gnaden – Friedrich Wilhelm IV.

Nach über vierzigjähriger Herrschaft war König Friedrich Wilhelm III. verstorben. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) galt zu Beginn seiner Herrschaft als Hoffnungsträger. Aber er war tief durchdrungen vom Gottesgnadentum, er glaubte voll und ganz daran, dass ihm seine Macht und seine Aufgabe als König allein von Gott übertragen waren. Er hatte kein Verständnis für den Wunsch vieler Untertanen nach einer geschriebenen Verfassung.

Die Einberufung aller preußischen Provinzialstände zu einem Vereinigten Landtag 1847 war aus der Not geboren, denn die Krone brauchte Geld für den Eisenbahnbau. Keinesfalls sollte es eine gewählte Volksvertretung geben! Doch in den Provinziallandtagen saßen Adlige, Großbauern und städtische Grundbesitzer, nicht aber Vertreter der Landbevölkerung und der einfachen Leute in den Städten.

Industrielle Revolution und soziale Not

Um die Wende zum 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Technik, der angewandten Naturwissenschaften, angebrochen. Die Rheinprovinz war schon früh industrialisiert, ähnlich wie Berlin und Schlesien. Vorherrschend im Rheinland war die Textilindustrie, aber bald kam die Schwerindustrie hinzu. So erlebte der preußische Staat einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch zugleich schon früh die durch die „Industrielle Revolution“ entstehenden sozialen Probleme. Je mehr Maschinen entwickelt und eingesetzt wurden, desto mehr Menschen verloren ihre Arbeit. Hungerlöhne, Frauen- und sogar Kinderarbeit änderten nichts daran.

Zugleich zogen unzählige verarmte Bauern und arbeitslos gewordene Handwerker in die Industriezentren in der Hoffnung, in den Fabriken Arbeit zu finden, was wiederum die Löhne drückte. Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter gegen die Ausbeutung gab es nicht, die Lebensverhältnisse waren verheerend. Trotz schwerster Arbeit waren viele Menschen nicht mehr in der Lage, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern.

Kaum Hilfe vom König

König Friedrich Wilhelm IV. im Potsdamer Park Sanssouci kümmerte sich wenig. Hilfe kam von weitblickenden Unternehmern wie Alfred Krupp, der Barmer Fabrikant Schuchard setzt sich gegen Kinderarbeit ein, Kirchenmänner wie Johann Heinrich Wichern, Adolf Kolping und der Bischof von Ketteler begannen Hilfsprojekte.

Immer mehr Menschen verelendeten. Es kam zu Aufständen von Arbeitern, sie zerstörten die Maschinen, die ihnen die Arbeit nahmen. Die Maschinenstürmer wurden schwer bestraft. Als sich im Sommer 1844 die schlesischen Weber erhoben, ließ die preußische Regierung sie von Soldaten zusammenschießen. Heinrich Heine schrieb sein Weberlied. Zunächst erschien es im Vorwärts!, zu der Zeit geleitet von Karl Marx. Schon bald wurde es verboten. Marx und sein lebenslanger Freund Friedrich Engels gingen nach London.

Auch die Landwirtschaft litt große Not, nach Missernten in den Jahren 1845 und 1846 kam es 1847 zu einer Versorgungskrise. Die preußische Regierung lieferte Kartoffel- und Getreide, dennoch litten viele Menschen Hunger. Den Gemeinden fehlte das Geld, um bedürftige Familien zu unterstützen. Viele Menschen wanderten aus. Karl Marx, gebürtiger Trierer, schrieb als politischer Journalist bei der „Rheinischen Zeitung“ in Köln über die verzweifelte Lage der Bauern in der Eifel und dem Hunsrück und der Weinbauern an der Mosel.

Deutschland. Ein Wintermärchen

Seit langem lebte Heinrich Heine nun in Paris. Der Emigrant Heine war sehr umstritten, man sprach ihm immer wieder die Vaterlandsliebe ab. Dabei war er seiner rheinischen Heimat tief verbunden. Was er fürchtete war ein Nationalismus, der Deutsche und Franzosen aufeinander einschlagen und sich „die Hälse brechen“ ließ, wie er es im Vorwort zu „Deutschland. Ein Wintermärchen“ schrieb. Den Vater Rhein ließ er sagen, dass er die militanten Rheinlieder überhaupt nicht mochte.

1843/44 reiste Heinrich Heine noch einmal nachhause, nach Deutschland, von dieser Reise erzählt das „Wintermärchen“. Es ist ein politisches Gedicht, in dem er gegen die Restaurationspolitik und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Stellung bezog.  Schon im Oktober 1844 wurde es verboten, gegen Heine erging Haftbefehl. Zugleich ist es ein persönliches Gedicht, durch Spott und Ironie hindurch fühlt man seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat.

Zum Weiterlesen
Heinrich Heine im Portal Rheinische Geschichte, LVR

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